SCHWEIZER UND MUSLIM SEIN


Der Islam ist heute die zweitgrösste Religion in der Schweiz. Der muslimische Anteil der Schweizer Bevölkerung beträgt ungefähr 5,5 Prozent, das sind etwa 450'000 Menschen, und viele von ihnen haben einen Schweizer Pass. Muslime in der Schweiz haben also die Aufgabe, mutig ihre verschiedenen Identitäten anzunehmen und die verschiedenen Quellen, aus denen sie schöpfen, als Bereicherung zu akzeptieren. Das hilft ihnen, ihr Selbstverständnis zu gestalten und ein Gleichgewicht im Leben, in der Familie und in der Gesellschaft zu finden. Es wird interessant sein, welche pragmatischen Lösungen die Verantwortlichen muslimischer Organisationen für die sehr konkreten Erwartungen ihrer jungen Glaubensgenossen bereithalten.
 
Der Islam hat die Schweiz historisch nicht geprägt, erst seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts bringen muslimische Einwanderer und Arbeitskräfte auch ihre Religion mit. Die Schweizer und Schweizerinnen sollen wissen, dass viele von ihnen in der Schweiz ihre neue Heimat gefunden haben und mit Ihnen gehört auch ihr Glaube, der Islam, zum Schweiz.
 
Der Islam ist für Musliminnen und Muslime heute offensichtlich nicht nur ein orientalische Religion. Er ist ein Element unter vielen für eine schweizerische oder auch europäische islamische Identität. Die Idee von Bürgersinn kann den unterschiedlichen Muslimen und Musliminnen, die in ihrem täglichen Leben sozial, politisch, kulturell oder wirtschaftlich engagiert sind, helfen, sich jenseits ihrer religiösen Zugehörigkeit einfach als Bürger oder Bürgerin zu sehen.
 
Die meisten der heute bestehenden Moscheegemeinden und Dachverbände entstanden in den 1970er Jahren. Damals kamen im Zuge der Anwerbung von "Gastarbeitern" Muslime aus der Türkei und Ex-Jugoslawien nach Schweiz. Seit den 1980er Jahren und in jüngster Zeit sind Vertriebene und Geflüchtete aus Ländern wie Libanon, Iran, Irak, Afghanistan oder Syrien dazugekommen.
 
Manche Menschen sind von Natur aus gegen alles, was sie nicht kennen. Daher müssen Brücken zwischen Religionen und Kulturen gebaut werden. Wir, beziehungsweise alle in der Schweiz lebenden Muslime, haben dabei eine grosse Verantwortung. Interkultureller Dialog ist wichtiger denn je. Wir als in der Schweiz lebende Muslime sollten unsere ganze Energie unermüdlich für das friedliche Zusammenleben einsetzen. So können wir Vorurteile abschaffen.
 
Was die Schweizer und Schweizerinnen nicht wollen, das sind die radikalen Gruppierungen. Nicht nur radikale religiöse Gruppierungen, sondern auch Rechtsradikale sind in der Schweiz nicht willkommen. Die grosse Mehrheit der Schweizer/innen ist nicht gegen die Muslime oder den Islam. Aber Ängste bzw. Vorurteile sind da, und das können wir abbauen, wenn wir miteinander reden.
 
Der Islam ist nicht radikal, Radikalismus hat im Islam nichts verloren. Er ist ein Teil unserer Identität und gehört zu unserer Tradition, so wie unser Schweizer Bürgerrecht. Es ist also höchste Zeit, damit aufzuhören, schweizerische und islamische Identität gegeneinander auszuspielen. Vielmehr müssen die Herausforderungen, die sich für die Schweiz heute stellen, gemeinsam angegangen werden.
 
In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes und friedvolles Zusammenleben.

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